~*~ Bithyas kleine Welt ~*~

 

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Kinofilme, Bücher und Geschichten, die ich selbst verfasse - das sind die drei zentralen Punkte, die meinen kreativen Geist tagein tagaus beschäftigen. Und genau darum - weil es mich so beschäftigt - teile ich meine Gedanken über Filme und Bücher, teile ich meine Kurzgeschichten hier mir euch.

Wenn es einen Kinofilm gibt, zu dem ihr gerne von mir eine Rezension lesen wollt, schreibt mir ruhig in's Gästebuch, ich werde sie liefern. Wenn ihr eine Anregung für eine Kurzgeschichte habt oder einfach nur meine Kreativität testen wollt - ich bin für jede Herausforderung zu haben, schreibt mir ruhig!

 

Thematisch ist dieser Blog auch in die drei Gebiete unterteilt: Film-Kritiken, Buch-Kritiken und Kurzgeschichten. Wähle einfach links aus, was dich interessiert, und stürze dich in's Lesevergnügen!

 

Ansonsten: Viel Spaß beim durchwühlen meines Blogs!

 



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Blog

Kino: Alice im Wunderland

Tim Burtons neuester Streich: die Verfilmung des Klassikers Alice im Wunderland. Es ist eigentlich erstaunlich, dass der Meister der grotesken Fantasie sich erst jetzt an der Urmutter des Abgedrehten versucht.

Zum Inhalt:

Alice ist inzwischen erwachsen, 19 Jahre alt und soll sich mit einem Lord verloben. Ihre fantastischen Gedanken hat sie immer noch, so dass es nicht weiter verwundert, dass sie vor etwas so realistischem wie der Hochzeit davon läuft. Sie findet sich auf der Jagd nach dem weißen Kaninchen wie auch als kleines Kind früher in einem Kaninchenbau wieder, der sie direkt ins Wunderland führt. Hier trifft sie auf alte Bekannte, an die sie sich allerdings nicht mehr erinnern kann. Ihr wird gesagt, dass ihr vorherbestimmt ist, den Jabberwocky, ein Drachenwesen kontrolliert durch die Herzkönigin, zu erschlagen. Alice allerdings weigert sich, ein anderes Lebewesen zu töten. Auf ihrer Wanderung durch das Wunderland trifft sie auf den verrückten Hutmacher, die Herzkönigin und den Buben, auf die Weiße Königin und viele andere Gestalten, die sie alle mal kannte. Und alle, die die Phrase "Nimidemibreirü" auf den Lippen tragen, hoffen darauf, dass Alice doch den Jabberwocky erschlagen wird.

Meine Meinung:

Dies ist definitiv einer der besten von Tim Burtons Filmen - welch Wunder auch, Alice im Wunderland scheint wie für ihn gemacht. Anstatt die Geschichte einfach noch mal auf seine Weise zu erzählen, spinnt er den Faden weiter, zeigt, was im Wunderland nach Alice' Weggang geschah und wie die Wunderländer (bzw. Unterwelter, wie der korrekte Begriff wäre) darum kämpfen, die Herrschaft der Herzkönigin zu beenden. Das kann man ihm vorwerfen, weil er damit unweigerlich neue, eigene Motive einbringt, für mich ist es hingegen ein großer Pluspunkt, weil er so der an sich schon fantastischen Welt weitere, eigene Aspekte hinzufügen kann.

Natürlich ist jedem aufmerksamen Filmeschauer von Anfang an klar, dass Alice am Ende doch den Jabberwocky erschlagen wird, genauso wie klar ist, dass die Herzkönigin immer nur das Nachsehen haben wird und letztendlich alle anderen glücklich sein werden - aber Spannung ist es auch nicht, was dieser Film erzeugen will oder wovon er lebt. Es sind vielmehr die mit großer Detailfreude und erstaunlicher Genauigkeit dargestellten Figuren des Wunderlandes, die teilweise exakte Wiedergabe des Originals, die einen hier gefangen nehmen.

Die Welt des Wunderlandes wurde von Anfang bis Ende so dargestellt, wie man es aus Disney-Verfilmung, TV-Serie und Buch kennt, sogar das Schaukelpferd-Insekten-Ding taucht anfangs auf. Das Wunderland ist nicht unbedingt ein Ort von überirdischen, gänzlich unbekannten Kreaturen, vielmehr findet man dort Bekanntes, das auf groteske, fantasievolle Art verändert wurde, z.B. die Spielkarten, die als Soldaten funktionieren, oder die sprechenden Blumen. Es ist die Fantasiewelt eines kleinen Mädchens, das sich auf diese Weise der Realität entzieht und wie ein Traum anmutet - und sie existiert noch immer. Und diese Fantasiewelt setzt Tim Burton perfekt um. Der Film lebt, wie auch das Buch und die vorigen Verfilmungen, von seinen Bildern, von der Fantasie und der Leichtigkeit, mit dem Unmögliches möglich gemacht wird.

Die schauspielerische Leistung der einzelnen Charaktere ist zudem immer angemessen, gerade Johnny Depp und Helena Bonham Carter spielen - wie erwartet - auf höchsten Niveau. Man wusste schon vorher, dass Johnyn Depp hervorragend für Tim Burtons verrückte, dunkle Figuren geeignet ist, doch der Hutmacher ist die wohl beste Figur, zeigt sich in ihr doch das ganze Facettenreichtum der menschlichen Psyche: Verrücktheit, Hass, tiefe Zuneigung, Verantwortungsbewusstsein, Intelligenz und nicht zuletzt Humor. Kaum ein anderer hätte wohl diese rasendschnellen Stimmungsschwankungen so meisterlich und authentisch darstellen können wie Johnny Depp.

Leider kenne ich nur die deutsche Fassung des Films, daher kann ich zu den sprecherischen Leistungen von z.B. Alan Rickman als blaue Raupe nicht viel sagen.

Fazit:

Morbider Märchenerzähler trifft kindlich-groteske Fantasie - und es entsteht ein Meisterwerk, das seines Gleichen sucht. Perfekte Bilder, hohe schauspielerische Leistungen und eine Storyline, die gut als roter Faden fungiert: Schwerlich zu toppen, darum auch mit einer glatten 1 bewertet.

11.3.10 15:44


Kino: Percy Jackson - Diebe im Olymp

Der Trailer kündigt es groß an: "Von dem Macher von Harry Potter 1 und 2" sei dieser Film - und tatsächlich ist die Handschrift unverkennbar.

 

Zum Inhalt:

Percy Jackson ist ein ganz normaler Schüler der High School, der allerdings an Legasthenie und ADS leidet. Bei einem Museums-Besuch wird er von seiner Englisch-Lehrerin angefallen, die sich in ein furchtbares Monster verwandelt. Sein bester Kumpel, der Museums-Führer und seine Mutter erklären ihm daraufhin, dass er kein normaler Mensch ist, sondern ein Halbgott, und dass Zeus vermutet, er habe dessen Götterblitz gestohlen. Wenn der Blitz nicht zur Sommersonnenwende zurückgebracht wird, bricht Krieg im Olymp aus.

Bei dem Versuch, Percy in Sicherheit zu bringen, wird die Mutter getötet. Er landet daraufhin in einem Camp für Halbgötter und erfährt, dass sein Vater Poseidon, einer der großen drei, ist. Zusammen mit seinen neuen Freunden, der Athene-Tochter Annabeth und dem Satyr Grover, bricht Percy heimlich auf, um seine Mutter aus den Fängen von Hades zu befreien. Luke, Sohn des Hermes, gibt ihnen dabei einige nützliche Ausrüstungsgegenstände und Tipps mit: Fliegende Schuhe, einen ausfahrbaren Schild und eine Karte, die sie zum Versteck von drei Perlen führt, mit deren Hilfe man aus der Unterwelt fliehen kann.

Die erste Perle ist in den Klauen der Medusa, die zweite wird von der Hydra bewacht und die dritte ist mitten im Lotus-Casino in Vegas, in dem man mittels essbaren Lotus-Blüten in Trance versetzt wird und auf ewig Spaß hat. Sobald sie alle zusammen haben, brechen sie in die Unterwelt auf, um Percys Mutter zu befreien und anschließend im Olymp dessen Unschuld zu bezeugen. Ein nervenaufreibender Wettlauf gegen die Zeit beginnt ...

 

Meine Meinung:

... oder auch nicht. Nervenaufreibend sind in diesem Film höchstens die vorhersehbaren Entwicklungen und die stereotypen Charaktere.

Percy Jackson ist der Proto-Typ des ahnungslosen Helden, der in seiner vorigen Welt der absolute Looser ist und dann plötzlich alles kann und alles weiß. Sein Freund Grover ist der typische Spaßvogel an der Seite des Helden, der ihn erst in die Geheimnisse einführt und sehr weise wirkt und dann aber mit fortschreitender Story immer mehr zum Gag-Lieferanten verkommt. Annabeth hingegen ist die typische Schöne, die zudem noch wahnsinnig gut kämpfen kann und unnahbar wirkt, aber natürlich doch Gefühle für den Helden entwickelt.

Alle anderen Figuren haben nur sehr kurze Auftritte, was besonders bei einem Pierce Brosnan als Zentaur und Camp-Leiter, einem Sean Bean als Zeus oder einer Uma Thurman als Medusa sehr traurig ist. Die schauspielerische Leistung der drei Hauptcharaktere ist okay, aber nicht überragend, so dass man sich fragt, warum man große Charakter-Schauspieler wie Sean Bean und Uma Thurman nur einen so kurzen Auftritt gewährt. Gerade letztere als einsame, rachsüchtige, aber vor allem auch verführerische Medusa spielt alle anderen an die Wand - in nicht mal 10 Minuten! Besonders großartig spielt auch Rosario Dawsons (Sin City, Death Proof, MiB II) in der Rolle der Persephone: Sie ist verführerisch, arrogant und durchtrieben. Eine bessere Besetzung für die gefangen gehaltene Ehefrau des Hades hätte man nicht finden können.

Die Handlung entwickelt sich, wie man es erwartet: Der Held wird in die neue Welt eingeführt, erfährt alles mögliche, schnappt sich zwei Freunde und bricht auf, um Hades auszutricksen und den Götterkrieg zu verhindern. Sogar Wendungen, die wahrscheinlich überraschend wirken sollen, sind vorhersehbar. So ist von Anfang an klar, dass Luke, der Sohn des Hermes, ein Böser ist und es verwundert nicht weiter, dass der Götterblitz plötzlich in dem Schild, den er den Freunden vermacht hat, auftaucht.

Schaut man sich die Kulisse an und die Bilder, die einem dieser Film präsentiert, merkt man jedoch sofort, dass ein Regisseur dahinter steckt, der weiß, wie man Fantasy verpacken sollte. Chris Columbus schafft es, die Welt außerhalb des Camps und des Olymps natürlich-langweilig, eben bekannt wirken zu lassen. Umso imposanter gestaltet er jedoch die Unterwelt, den Olymp oder das Halbgott-Trainingscamp. Auch die verschiedenen Gestalten aus den Mythen sind sehr gut nachempfunden: Sei es die furchteinflößende Furie, die Hydra, Medusa, Zentauren oder Satyre - sie alle wirken sehr echt und trotzdem nicht so, dass man als Kind Alpträume davon bekommen würde. Die Umsetzung des Kinderbuches ist hier also gewiss gelungen.

 

Fazit:

In Anbetracht der vorhersehbaren Story, der mittelmäßigen Schauspielerischen Leistung der Hauptcharaktere sowie der grandiosen Bilder werte ich den Film mit einer 3+ - sehenswert und unterhaltsam, aber nichts, was einen vor Begeisterung vom Hocker haut.

16.2.10 14:15


Eine Zugfahrt am 23.12.

Es war doch jedes Jahr das gleiche. Warum mussten immer alle am 23.12. in den Zug steigen und zu ihrer Familie fahren? Warum konnten sie das nicht früher machen? Oder später? Warum ausgerechnet an diesem Tag?

Natürlich könnte sich Sirko diese Frage auch selbst stellen, doch das tat er bewusst nicht. Stattdessen saß er, eingeklemmt zwischen Kinderwagen, Koffern und anderen Reisenden, auf dem Boden vor dem Ausstieg. Der Untergrund war mit Teppich ausgelegt, wie es in jedem ICE der Fall war, aber bequem war es trotz allem nicht.

Er hätte einfach die 2€ mehr zahlen und sich einen Sitzplatz reservieren können. Seufzend schüttelte er den Kopf – es brachte nichts, mit der Situation zu hadern, nun war es eben so und er musste drei Stunden auf dem Boden aushalten.

Der nächste Bahnhof wurde angesagt – Hannover, Ausstieg in Fahrtrichtung rechts. Genervt erhob sich Sirko und zog seine beiden Koffer näher zu sich – er saß natürlich vor der rechter Tür, die bei fast jedem Bahnhof die Ausstiegstür war.

Es dauerte einige Minuten, dann waren die Massen an Reisenden ausgestiegen und es kamen noch größere Massen wieder rein. Viele alte Menschen mit ihren Köfferchen kletterten ächzend und keuchend die zwei steilen Treppenstufen hoch, schimpften über die Bahn, über die jungen Menschen, die nicht halfen und nur im Weg waren und dass Zugfahren früher viel angenehmer gewesen sei.

Langsam ließ er sich wieder auf den Boden sinken, die meisten waren eingestiegen und es war genug Platz für den Rest, an ihm vorbeizukommen. Von seiner hockenden Haltung aus sah er zwei nackte, schlanke Beine in halsbrecherisch aussehenden Stöckelschuhen an ihm vorbei schreiten und dann direkt neben ihm stehen bleiben. Langsam wanderte Sirkos Blick nach oben – und sofort wieder runter. Die Inhaberin der Beine schien sich nicht darüber im Klaren zu sein, dass von seiner Position aus interessante Einblicke unter ihren Minirock möglich waren und er dachte nicht im Traum daran, sie darauf aufmerksam zu machen.

Zu seinem Entsetzen ließen sich die Beine nun an der gegenüberliegenden Wand des Ganges herunter gleiten – und erneut kam er nicht drum herum, das schwarze Spitzenhöschen zu bemerken. Bevor er endgültig rot anlaufen konnte, verschwand es aber wieder hinter den schlanken Beinen und stattdessen geriet nun ein ansehnlicher Oberkörper und ein noch ansehnlicheres Gesicht in sein Blickfeld. Noch während er starrte, schauten ihn die strahlend blauen Augen direkt an. Ein verschmitztes Grinsen trat auf die vollen, roten Lippen und mit glockenheller Stimme meinte das schöne Gesicht: „Gefällt dir, was du siehst?“

Nun war es doch geschehen: Sirkos Gesicht hatte sich in eine rote Glühbirne verwandelt und die Gedanken waren wie weggefegt. Unbeholfen zuckte er mit den Schultern und ließ seinen Blick hilfesuchend zu dem Pärchen wandern, das mit ihm am Boden hockte, doch der Mann und seine junge Freundin bemerkten ihn gar nicht.

„Ich liebe Zugfahrten zu diesem Zeitpunkt. Ich fahre jedes Jahr mit dem ICE von Hannover nach Hamburg und immer sitze ich am Boden.“

Ganz offensichtlich wollte die Schönheit ein lockeres Gespräch anfangen. Sirko versuchte sich zu konzentrieren. An einem einfachen Gespräch war nichts auszusetzen, er musste nur seine Gedanken von dem schwarzen Höschen wegbekommen.

„Tatsächlich? Ich hasse es. Jedes Jahr das gleiche und immer nehme ich mir vor, das nächste Mal einen Platz zu reservieren!“

Ein melodisches Lachen ertönte: „Warum? So macht die Zugfahrt viel mehr Spaß. Man lernt nämlich hier, eingepfercht zwischen Koffern und anderen Menschen, sehr viel leichter neue Leute kennen!“

Da hatte sie definitiv recht. Aber Sirko war sich nicht sicher, ob er gerade glücklich darüber war, diese Frau vor sich zu haben, oder eher verzweifelt und unsicher. Sie war einfach zu
schön.

„Und manchmal“, fügten die roten Lippen hinzu, „lernt man auch sehr hübsche Männe kennen, wenn man hier so am Boden sitzt.“

Er schluckte. Sie flirtete ganz offensichtlich mit ihm. Er merkte, wie ihm der Schweiß auf die Stirn trat. Es war ja nicht so, dass er keinerlei Erfahrung mit Frauen hatte, ganz im Gegenteil. Aber diese direkte Art war ihm unheimlich. Er musste irgendwie die Kontrolle über das Gespräch an sich bringen, schließlich war doch er der Mann hier.

„Ich bin übrigens Sirko!“, sagte er so lässig wie möglich.

„Helena“, antwortete sie wieder mit diesem schelmischen Grinsen.

„Wie die schöne Frau aus der Sage um Troja?“, fragte er nach. Das war gut, bei einem Gespräch über griechische Mythen konnte sie ihn zumindest nicht weiter nervös machen.

„Ja, der Name passt zu mir, meinst du nicht, Sirko?“, erwiderte sie und schaute ihm dabei direkt in die Augen. Sein Herz machte einen Satz. So viel zu griechischen Mythen. Sie hatte ihn schon wieder erwischt, wie machte sie das nur? Er kam sich vor wie ein kleiner Junge, der das erste Mal eine Frau sah. Und nun schlich sich auch schon wieder dieses verdammte Grinsen auf ihr Gesicht. Konnte die Frau Gedanken lesen? Er schloss die Augen und atmete tief durch. Irgendwas musste er doch darauf sagen können, irgendwas, das ihr den Wind aus den Segeln nahm, oder das zumindest ihn wieder auf gleiche Höhe brachte.

„Helena war bestimmt nicht so schön wie du“, meinte er. Angriff war die beste Verteidigung. Wenn sie flirten wollte, konnte sie das haben.

Ihre Augen blitzten. Ganz offensichtlich hatte er sie unerwartet getroffen, und ebenso offensichtlich gefiel ihr, dass er so direkt wurde. Das würde eine interessante Weiterfahrt nach Hamburg werden.

oOoOoOo

„Nächster Halt: Hamburg Hauptbahnhof. Der Ausstieg befindet sich in Fahrtrichtung rechts!“

Die Durchsage ließ Sirko zusammenzucken. Hamburg. Hier würde Helena aussteigen. Die letzten Stunden hatten sie mit einem intensiven Flirt verbracht und nun würden sich ihre Wege für immer trennen. Er wusste nichts über sie als ihren Namen. Bevor sie ging, musste er ihr zumindest ihren ganzen Namen entlocken, dann würde er sie im StudiVZ suchen.

„Wie heißt du eigentlich mit Nachnamen?“

„Ich habe keinen Nachnamen. Einfach nur Helena.“

Sirko seufzte enttäuscht. Das war eine deutliche Abfuhr. Ganz offensichtlich trieb sie dieses Spiel jedes Jahr. Es wäre auch zu schön gewesen …

„Wenn du das hier einer Frau geben dürftest, welcher würdest du es geben?“

Die Frage traf ihn unerwartet. Er starrte auf den Gegenstand in ihrer Hand: Ein goldener Apfel mit der Gravur „Für die Schönste“. Träumte er?

„Die Schönste bist eindeutig du!“, erwiderte er, doch seine Stimme zitterte.

„Wenn du zwischen Hera, Athene und Aphrodite wählen müsstest, wem würde dieser Apfel gehören?

“Er träumte. Ganz eindeutig. Er musste im Gespräch mit ihr eingeschlafen sein. Oder spielte sie ihm einen Streich?

„Ganz eindeutig Aphrodite!“

„Warum?“

„Weil ich dann dich bekommen würde.“

Zum ersten Mal sah er sie lächeln, ganz offen und ehrlich lächeln. Hatte er es richtig gemacht? War das ein Test gewesen? Doch sie sagte nichts. Sie griff einfach nur ihren Koffer und stieg aus. Ehe er sich versah, schlossen sich die Türen wieder und sie war weg. Schnell sprang er auf und suchte sie durch das Fenster in der Tür. Da stand sie, himmlisch lächelnd, und winkte ihm zu. Er blinzelte – und als er die Augen wieder öffnete, war sie weg.

Langsam setzte sich der Zug in Bewegung. Verwirrt ließ sich Sirko wieder auf seinen Platz nieder. Er schaute zu dem Pärchen rüber, das noch immer bei ihm saß.

„Entschuldigung … habt ihr gesehen, wie die Frau, die hier mit uns saß, so schnell vom Bahnsteig verschwinden konnte?“, fragte er vorsichtig. Die beiden wandten sich ihm zu und blickten fragend drein: „Welche Frau? Wir sind doch seit Stunden zu dritt hier eingepfercht!“

Sirko riss die Augen auf. Hatte er geträumt? Anders konnte er sich das ganze nicht erklären, aber es war so real gewesen. Stöhnend ließ er seine Hände zum Boden sinken – und spürte einen kühlen, runden Gegenstand links neben ihm: Der goldene Apfel. Verunsichert hob er ihn hoch. Wo kam der her? Also hatte er doch nicht geträumt? Aber wie sonst konnte das alles geschehen sein? Sein Blick wanderte auf die Stelle, an der der Apfel gelegen hatte. Dort lag ein Zettel:

Manchmal geschehen Wunder.
Auch in deiner Zeit, zu dieser Zeit, in einem Zug!
Bewahre den Apfel gut …
… bis wir uns wiedersehen!
15.2.10 14:29


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